Zahnbehandlung

Haben Sie Angst vorm Zahnarzt? Ihr Pferd auch!
Dafür gibt es jedoch definitiv keinen Grund und ich gebe mein bestes auch Ihr Pferd hiervon zu überzeugen.
Erfahren Sie hier näheres über meine Behandlungsmethoden und Zielsetzung. Ich behandele Ihr Pferd mit modernen, größtenteils elektrischen Spezialgeräten und unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse im Bereich der Pferdezahnmedizin.
Bevor mit der Arbeit angefangen wird, erkläre ich Ihnen die festgestellten Befunde und den geplanten weiteren Behandlungsverlauf. Um eine für das Pferd möglichst angenehme und nebenwirkungsfreie Kopf-Hals-Position zu gewährleisten, wird meistens im Sitzen gearbeitet.
Zusätzlich wird das Maul des Pferdes während der Behandlung zur Schonung des Kiefergelenkes immer wieder kurz geschlossen.
Präzises und für jedes Pferd individuelles Arbeiten ist sehr wichtig, zumal es hierbei nicht primär um das einfache Abschleifen von scharfen Kanten, sondern vor allem um das korrekte Ausbalancieren des Pferdemaules unter Beachtung der Biomechanik geht.
Ein Blick zum Zahnarzt für Menschen ermöglicht hierbei einen etwas anderen Blick auf die Zahnbehandlung beim Pferd: Das Prozedere beim Auffüllen eines kariösen Zahnes mit künstlichem Zahnmaterial (Zahnfüllung bzw. früher Plombierung) lässt sich am ehesten als Analogie bezüglich der bei der Zahnbehandlung auftretenden Einzelzahnkontakte beim Pferd benutzen. Hierbei achtet der Zahnarzt sehr sorgfältig darauf, dass die Zähne beim anschließenden Aufeinandertreffen perfekt zusammenpasst. Wenn dies nicht der Fall ist, verursacht dies Probleme, die von einem „komischen Gefühl“ (als hätte der Patient etwas zwischen den Zähnen), bis hin zu Schmerzen reichen können. Der gute Zahnarzt gibt sich hierbei daher viel Mühe und greift auf verschiedene Hilfsmittel wie zum Beispiel Okklusionsfolien zum Aufbeißen zwecks Identifizierung erhöhter Einzelzahnkontakte zurück. Nichtsdestotrotz bleibt das Ganze ein nicht unkompliziertes und zeitaufwändiges Unterfangen. Und dies -obwohl er- im Vergleich zum Pferdezahnarzt einige bedeutende Vorteile genießt:

• Der Patient hält den Kopf still und versucht nicht mit seiner Zunge die Geräte des Zahnarztes beiseite zu schieben
• Der Patient beißt im Idealfall weder auf die Hand des Zahnarztes, noch auf seine Geräte •Die Mundhöhle des Menschen ist deutlich kleiner, kürzer und viel besser einzusehen
•Es wird in den meisten Fällen nur ein Einzelzahn behandelt, während der Pferdzahntierarzt ganze Bereiche im Maul des Pferdes bearbeitet und dort mehrere Millimeter oder sogar Zentimeter abschleift.
•Der Mensch kann sprechen und so dem Zahnarzt sein Empfinden mittteilen
•Er kann Hilfsmittel wie Okklusionsfolien benutzen, die beim Pferd nicht praktikabel sind Wenn man alleinig über diese Faktoren nachdenkt, leuchtet ein, dass die Ausbalancierung ds Pferdemaules  sehr  komplex ist. 

In der klassischen Zahnmedizin gibt es eine eigene Fachrichtung (Gnathologie), die sich zusätzlich zur Kieferorthopädie ausschließlich mit diesen biomechanischen Themen wie Okklusion, Artikulation, Zahnstellungsanomalien und den damit assoziierten Erkrankungen des Kiefergelenkes und Folgeproblemen bei Menschen auseinandersetzt.
Bei einer „Standardzahnbehandlung“ beim Pferde werden diese Faktoren häufig außer Acht gelassen, obwohl Ihnen in diesem Fall aus verschiedenen Gründen eine mindestens genauso große Bedeutung beigemessen werden sollte:

•Dadurch, dass die hypsodonten Zähne des Pferdes ständig eruptieren (schieben aus dem Zahnfach heraus) und gleichzeitig abgerieben werden, ist das Pferdegebiss deutlich dynamischer als das des Menschen. Die so genannten Malokklusionen (Fehlbildungen des Gebisses aufgrund von ungleichmäßigem Zahnabrieb) können sich dementsprechend schneller entwickeln und verschärfen.
•Während des Kauvorganges auftretenden Drücke sind deutlich höher als beim Menschen
•Die Greiffunktion des Kiefers und der Schneidezähne wurde noch nicht durch die Arme ersetzt wodurch der Kiefer bzw. die Zähne noch vielfältigere Funktionen bewältigen müssen.
•Selbst wenn nur kleine Malokklusionen idiopathisch (d.h. durch den Behandler) erzeugt werden, ist die positive Wirkung der Zahnbehandlung oftmals nicht mehr gegeben, oder das Pferd entwickelt langfristig andere Probleme. Normalerweise entstehen diese Fehlbildungen innerhalb mehrerer Wochen bis Monaten oder über Jahre hinweg, während in dieser Situation weder das Pferd insgesamt (Veränderung der Kaufunktion, Ausweichbewegungen) noch der Zahnapparat im speziellen Zeit hat, sich auf die veränderte Situation einzustellen.
Eine sorgfältige Routinezahnbehandlung dauert inklusive der kurzen Entspannungspausen, der Befunderhebungen und den Zwischenkontrollen ungefähr eine Stunde. Aufgrund dessen, dass ich aus oben genannten Gründen für Ihr Pferd das bestmögliche Ergebnis erreichen möchte, arbeite ich in den meisten Fällen mit Sedierung, wodurch unter ständiger Sichtkontrolle gearbeitet werden kann. Diese Herangehensweise bietet folgende Vorteile:

•Die Genauigkeit der Zahnbehandlung wird deutlich erhöht •Die Symmetrie und die korrekte Winkelung der Zahnreihen kann deutlich besser beurteilt und eingehalten werden
•Die Beurteilung des aktuellen Standes der Arbeit, die in der Überprüfung auf Einzelzahnkontakte und Okklusion durch Abnehmen des Maulgatters und Beurteilung der Artikulation der Backenzähne durch Verschiebung des Unterkiefers in entgegengesetzter Kaurichtung (ebenfalls unter Sichtkontrolle)besteht, geschieht bei einem sedierten Pferd deutlich unkomplizierter.
• Es werden zur Schonung der Zahnsubstanz nur die Zähne bearbeitet, bei denen dies wirklich notwendig ist •Von antagonisierenden (gegenüberliegenden Zähnen) bereits dominierte Zähne bleiben unberührt
•Das Maul des Pferdes wird bestmöglich geschont. Vor allem im Bereich der letzten Backenzähne kann es bei abrupten Abwehrbewegungen des Pferdes oder blindem Arbeiten zu Schleimhautverletzungen kommen
•Das Pferd beißt unter Sedierung weniger ausdauernd und kräftig auf die Schneidezahnplatten des Maulgatters, wodurch die Verletzungsgefahr verringert wird

 

Schneidezahnbehandlung

Die Schneidezahnbehandlung eines Pferdes ist immer dann angezeigt, wenn entweder eine Einschränkung der Seitwärtsbeweglichkeit des Unterkiefers durch die Konformation der Schneidezähne vorliegt, einzelne Zähne durch die Stellung der Schneidezähne vermehrt belastet werden, bzw. der Kaudruck unregelmäßig verteilt ist , der Winkel der Schneidezähne verändert ist, oder aber die Schneidezähne schlichtweg zu lang sind. Dies ist am häufigsten (aber nicht ausschließlich) bei mitteljährigen bis etwas älteren, bzw. älteren Pferden der Fall. Das Pferd kann das Futter dann nicht mehr problemlos zermahlen, sondern muss mithilfe der Kaumuskulatur starken Druck aufbauen um die Backenzähne miteinander in Kontakt zu bringen. Aufgrund dessen wird das Pferd wiederum Fehlstellungen sowohl der Schneidezähne (diese sind ständig einem zu hohen Druck ausgesetzt) als auch der Backenzähne entwickeln, weil die physiologische Kaubewegung und damit der gleichmäßige Abrieb der Zähne dann nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Zu lange Schneidezähne sind also fast immer eine dringende Indikation zur Behandlung. Man kann dies auch problemlos im Selbstversuch nachvollziehen, indem man versucht etwas mit den Backenzähnen zu kauen und sich dabei etwas zwischen die Schneidezähne legt. Um zu bestimmen ob eine Anpassung der Schneidezahnlänge erfolgen muss, wird vor, während und nach der Behandlung die Okklusion des zu behandelnden Pferdes gemessen.